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Informationen zum Thema sexuelle Gewalt
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Die Beratungsstelle hat bei der Beratung von Fachkräften eine wichtige Unter­stützungs- und Clearingfunktion, denn das Kinder- und Jugendhilfeweiterent­wicklungsgesetz (KiCK) stellt an die Mitarbeiter/innen von Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe seit 2006 deutlichere Anforderungen in Bezug auf die Verfahrensstandards bei der Verdachtsabklärung bei Kindeswohlgefährdungen. Wir bieten eine zeitnahe fachspezifische Beratung und garantieren Schweigepflicht und Datenschutz, auch hier ist anonyme Beratung möglich.

Inhalte sind bspw. - Diskussion der Hinweise, die überhaupt zu dem Verdacht geführt haben, - Entwicklung konkreter Verfahrensschritte zum Kinderschutz, d.h. bspw. einen andauernden und verlässlichen Kontaktabbruch zum Täter zu planen, - Möglichkeiten der Unterstützung für alle Betroffenen (betroffene Kinder, Kinder in der Gruppe, Geschwister, Angehörige, Fachkräfte), denn sex. Missbrauch betrifft alle, die damit in Verbindung kommen.

Ausgangspunkt einer Beratung ist oft, dass Fachkräfte einen unmittel­baren Handlungsdruck spüren, aber gleichzeitig um Unklaren über das jeweils angemessene Handeln sind. Es gibt vielfältige Gründe für die Unsicherheit, nicht zu wissen, wie richtig mit einem Verdacht umzugehen ist:

  • Unklarheit über die Verhaltens­weisen, die als sexueller Missbrauch anzusehen sind,
  • Unsicherheit, Hinweise, Signale und Verhalten angemessen zu interpretieren, denn es gibt keine missbrauchsspezifischen Symptomatik,
  • Unsicherheit, wenn Kinder und Jugendliche sich nicht eindeutig äußern, wofür es unterschiedliche Gründe geben kann:
    • Kinder stehen unter einem Sprechverbot, das über Drohungen und Gewalt durchgesetzt wird,
    • Kinder haben i.d.R. keine Sprache zur Beschreibung dessen, was ihnen ge­schieht, so dass sie sich nicht eindeutig äußern können,
    • Kinder entwickeln oft Strategien zur Abspaltung von Gefühlen, um die missbräuchlichen Situationen zu überleben,
    • als Folgen von sexuellem Missbrauch entstehen spezifische Gefühle, die das Sprechen darüber erschweren: Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, Angst, Vertrauensverlust, Scham, Ambivalenz, Schuld und Ohnmacht.
  • Unvermögen, sich bestimmte Kinder (z.B. sehr aktive oder aggressive Kinder) als Opfer und sympathische Erwachsene als Täter vorzustellen,
  • Unklarheit über die eigenen Aufgaben und Kompe­ten­zen im Umgang mit einem Verdacht. Zu klären ist bspw., dass
    • es die Aufgabe des Jugendamtes ist, den verdächtigen Täter mit einem Verdacht zu konfrontieren,
    • es nicht die Aufgabe bspw. einer Erzieherin ist, dem nicht missbrauchenden Elternteil ihren Verdacht mitzuteilen.
  • Unklarheit darüber, wie die Rechte der Eltern in Abgrenzung zum Schutz betroffener Kinder berücksichtig werden müssen,
  • Unkenntnis darüber, ob die Tat oder der Täter angezeigt werden muss und welche Konsequenzen dies für die betroffenen Kinder und Jugendliche haben kann,
  • Unklarheit über die Möglich­keiten des Jugendamtes bzw. des Familien- oder Vormundschaftsgerichtes zum Schutz von Missbrauchsopfern.

Beratung verhindert unüberlegtes Handeln, bspw. dass

  • Opfer dem Täter gegenübergestellt werden, um eine Klärung des Verdachts herbeizuführen,
  • für die Familie Hilfskonzepte entwickelt werden, obwohl Kinder und Jugendliche ausdrücklich nach einer außerhäuslichen Unterbringung fragen,
  • Konzentrationsstörungen, Leistungsschwächen, Depressionen und massive Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, Schule ­schwänzen und sexualisiertes Verhalten nicht als mögliche Folgen sexueller Gewalt erkannt werden,aus Unsicherheit Beobachtungen nicht an das Team oder an Vorgesetzte weitergegeben werden,
  • die Polizei informiert wird, weil nicht überschaut wird, dass die Strafverfolgung im öffentlichen Interesse liegt und von der Polizei verfolgt wird - auch dann, wenn die Anzeige zurück­gezogen wird, das Opfer nicht aussagen will oder der Schutz des Kindes noch nicht gewährleistet ist,
  • Kinder zur Diagnostik geschickt werden:
    • Diagnostik zur Feststellung, ob sexueller Missbrauch stattgefunden hat, macht das Kind erneut zum Objekt. Ob der sexuelle Missbrauch geglaubt wird oder nicht, muss anders entschieden werden.
    • Wir raten auch von einer Diagnostik zur Feststellung, ob nach einem sexuellen Missbrauch psychische Schäden aufgetreten sind und eine Therapie angezeigt erscheint, ab. Wenn offensichtlich ist, dass das Kind das Erlebte nicht verarbeiten kann und über das Erlebte mit Fremden sprechen möchte, sollte es direkt eine Therapie beginnen.
    • Im Allgemeinen halten wir es eher für angebracht, dass die Eltern bzw. der nicht missbrauchende Elternteil Beratung oder Therapie in Anspruch nimmt, um sich mit Schuldgefühlen und Unsicherheiten auseinander zu setzen. Dann kann das Kind durch das angemessene erwachsene Verhalten sein Vertrauen in die Erwachsenenwelt wieder gewinnen. Gerade bei kleinen Kindern halten wir eine Beratung der Eltern für das Mittel der Wahl. Kinder sollen nicht denken, dass sie etwas falsch gemacht haben, was sie nun bearbeiten müssen.

    Thema in den Beratungen ist auch, dass ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch viele Gefühle weckt, die es schwer machen, einen klaren Kopf zu behalten. Professionelle Distanz verhindert aber, vom Mitleid mit dem Opfer, vom Zorn über den Täter oder von der eigenen Hilflosigkeit überwältigt zu werden, und es ermöglicht es, die Problemsituation zu verstehen und kompetente Unterstützung anzu­bieten.

    Diese Themen sind auch Inhalt von Fortbildungsveranstaltungen für Fachkräfte.


 
Letztes Update dieser Website: 16. November 2016